CfP: Administration, Logistik und Infrastrukturen des Krieges in der Frühen Neuzeit

Workshop vom 23.2.2018 bis 24.2.2018 im Warburg-Haus Hamburg

Die Organisation und die Praktiken der Verwaltung des frühneuzeitlichen Militärs sind, ebenso wie die eng damit zusammenhängenden, auf die Kriegführung bezogenen Bereiche der Logistik und Infrastrukturen bis heute im Großen und Ganzen Randthemen der Frühneuzeitforschung geblieben. In der Vergangenheit wurden diese Aspekte im Rahmen der Untersuchungen zur Herausbildung der Stehenden Heere und Flotten zwar mitbetrachtet, sie standen aber nie im Fokus des Interesses. Und das, obwohl seit dem 19. Jahrhundert die Verschränkung von frühneuzeitlicher Staatsbildung und Militärverwaltung immer wieder konstatiert wurde.

Ähnliches gilt für die sozial- und kulturgeschichtlich ausgerichtete neue Militärgeschichtsschreibung, die sich verstärkt den komplexen Korrelationen zwischen ‚militärischer’ und ‚ziviler’ Gesellschaft in der Frühen Neuzeit zuwandte. Auch sie kam themenbedingt nicht umhin, sich mit den zeitgenössischen Phänomenen der Militäradministration zu beschäftigen. Zu einem eigenständigen Forschungsgegenstand wurden Administration, Logistik und Infrastrukturen des Krieges deswegen aber nicht gemacht. Andersherum ist mit Blick auf die jüngeren Arbeiten zur Verwaltungs- oder auch Verkehrsgeschichte des 16. bis beginnenden 19. Jahrhunderts festzustellen, dass das Feld des Militärischen hierin kaum bis gar keine Rolle spielt.

Der Workshop soll vor diesem Hintergrund Forschungspotentiale ausloten, das nach wie vor recht traditionell gedachte frühneuzeitliche Verhältnis von Militär und ‚Staat’ hinsichtlich der institutionellen Organisation und des Verwaltungshandelns in Kriegs- und Friedenszeiten (neu) zu vermessen. Zu denken ist dabei einerseits an die Problematisierung der heuristischen Tragweite der üblichen Distinktion der Sphären des ‚Militärischen’ und ‚Zivilen’ in der Vormoderne. Andererseits soll die Tagung ein Forum bieten, am Beispiel der Militäradministration sowie der Logistik und der sich ausbildenden Infrastrukturen des Krieges über die Vorgänge der Institutionalisierung sowie Bürokratisierungs- und Rationalisierungsprozesse seit dem 16. Jahrhundert zu reflektieren und zu fragen, was unter (Militär-)Verwaltung in der Frühen Neuzeit eigentlich zu verstehen ist.

Zu fragen ist erstens in Bezug auf die in der militärischen Administration und Logistik agierenden Personen, ihr (professionelles) Selbstverständnis und ihre Karrierewege, ob und wenn ja, wo die Grenzen zwischen ‚ziviler’ und ‚militärischer’ Welt sowie zwischen ‚staatlichen’ und ‚privaten’ Strukturen verliefen und welche Veränderungen es möglicherweise in den beobachtbaren Beziehungen gab.

Zweitens soll anhand konkreter Beispiele untersucht werden, wie Dinge in der Frühen Neuzeit organisiert wurden, um das Militär am Laufen zu halten, welche logistischen und administrativen Praktiken die Kriegführung prägten und welche Strukturen sich demgemäß ausdifferenzierten. Dabei sollen Möglichkeiten zur konzeptionellen und begrifflichen Erfassung der historischen Verflechtungen zwischen ‚Staat’ und Streitkräften diskutiert werden.

Daran schließt sich drittens die Frage an, in welcher Form die Befunde und Modelle der neueren Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kommunikationsgeschichte für die Forschung zur Entwicklung der militärischen Administration, zur Logistik und zu den Infrastrukturen des Krieges in der Frühen Neuzeit fruchtbar gemacht werden könnten.

Interessierte sind hiermit herzlich eingeladen, bis Sonntag, den 16. Juli 2017, einen Vorschlag für einen 20minütigen Vortrag (Titel und Exposé im Umfang von max. 300 Wörtern) sowie einen kurzen akademischen Lebenslauf einzusenden (loh@hsu-hh.de).

Vorbehaltlich der Bewilligung der Finanzierung der Veranstaltung werden wir die Reise- und Übernachtungskosten für alle Referentinnen und Referenten übernehmen. Zudem ist eine Publikation der Ergebnisse des Workshops angedacht.

zuletzt verändert: 24.05.2017 11:02

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