Ziele und Inhalte im Projekt GEKONAWI

Modellversuchsstränge

Im Modellversuch werden folgende miteinander verschränkte Forschungs- und Praxisziele zur Geschäftsmodell- und Kompetenzentwicklung für nachhaltiges Wirtschaften im Einzel-, Groß- und Außenhandel verfolgt. Im Praxisstrang des Vorhabens erfolgen die Entwicklung, Erprobung und Implementierung einer aus vier Modulen bestehenden Fortbildung für betriebliche Ausbilder/-innen zur Berufsausbildung für nachhaltiges Wirtschaften. Nach jedem Modul entwickeln die Ausbilder/-innen schrittweise betriebsspezifische Ausbildungsprogramme zum nachhaltigen Wirtschaften für ihre Auszubildenden, die sie im Laufe von vier Praxisphasen erproben, innerhalb der Modulsequenzen gemeinsam mit anderen Ausbilder(inne)n bewerten und schließlich in ihren Betrieben verstetigen. Der Forschungsstrang zielt auf die empirische Fundierung, Evaluierung und Qualitätssicherung (QS) sowie den Transfer der Modulfortbildung und Ausbildungsprogramme (insbesondere durch Zertifizierungsstrategien) ab.

Vierdimensionales Modell

Die Ausgestaltung der Fortbildung erfolgt erstens theoriegeleitet entlang eines vierdimensionalen Modells, das aus mehrjährigen Studien, Entwicklungsprojekten und einem Modellversuch entwickelt wurde (vgl. Rebmann et al. 2014). Das Modell zielt darauf ab, die Entwicklung der Geschäftsmodelle von nachhaltig wirtschaftenden Betrieben mit der Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter/-innen in einem Systemzusammenhang zu beschreiben und zu prognostizieren. Es verbindet eine auf Geschäftsmodellentwicklung abzielende Perspektive, die unternehmerische Ausrichtung, Nachhaltigkeitsleistungen, Arbeitssysteme und Geschäfts- und Arbeitsprozesse fokussiert, mit einer auf Kompetenzentwicklung abstellenden Perspektive, welche die Didaktik und Curriculumentwicklung sowie die Kompetenzen für nachhaltiges Wirtschaften und Ausbilden darstellt. Die Perspektiven werden durch vier Dimensionen (Performanz, Handlung, Lernen, Kompetenz) verbunden. Anhand der Dimensionen können die dem Modellversuchsvorhaben zugrunde liegenden Problemstellungen und die Leitfragen zur Entwicklung eines Ausbildungsprogramms mit ihren Ergebnissen sowie Handlungs- und Lernprozessen definiert werden.Zur adressaten- und domänenspezifischen Ausdifferenzierung der Modelldimensionen wird zweitens eine empirische Studie durchgeführt. Mittels vier Wissenschaft-Praxis-Workshops sowie einer onlinebasierten schriftlichen Abnehmerbefragung werden die Ausprägungen von Geschäftsmodellen nachhaltigen Wirtschaftens, betrieblichen Arbeitssystemen, Anforderungen an Lehr-Lernprozesse in der Ausbildung im Handel sowie Kompetenzbedarfe der Ausbilder/-innen, Auszubildenden und Fachkräfte ermittelt.

Fortbildung für Ausbildungspersonal und Auszubildende im Handel

Entsprechend der Modelldimensionen werden im ersten Förderjahr vier Präsenzmodule mit Umfängen von 20 (1. und 4. Modul) und 40 (2. und 3. Modul) Präsenzstunden entwickelt. Die Fortbildung wird in drei Durchläufen mit jeweils 20-25 Ausbilder(inne)n und ihren Auszubildenden von Beginn des zweiten Förderjahrs bis zum ersten Quartal im dritten Förderjahr erprobt und evaluiert. Zur methodischen Verschränkung der vier Module wird über eine technische Lernumgebung (ILIAS) ein Advance Organizer (AO) eingesetzt, der den Teilnehmer(inne)n als wichtige Lehr- und Lernstrategie dient. Aus den Erprobungsergebnissen wird ein barrierefreies und bundesweit verfügbares Fortbildungsangebot mit umfassenden Handreichungen und Prozessanleitungen entwickelt. Durch die Erstellung von Zertifizierungskonzepten und Handlungsempfehlungen sollen die Voraussetzungen geschaffen werden (1.) für eine Zertifizierung der Modulfortbildung, (2.) für eine Nutzung der Modulfortbildungsinhalte im Rahmen bereits etablierter Fortbildungen sowie (3.) für eine Weiterentwicklung der betrieblichen Ausbildungsprogramme zu einem Qualifizierungsangebot für Auszubildende im Handel. Diese Implementierungs- und Transfervoraussetzungen sollen im dritten Förderjahr geschaffen werden.

Literatur:

Rebmann, K.; Schlömer, T.; Feldkamp, D.; Jahncke, H. & Lüllau, C. (2014). Das Oldenburger Modell der Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung (BBNE). In W. Kuhlmeier, A. Mohoric & T. Vollmer (Hrsg.), Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (69-94). Bielefeld.

Schlömer, T. (2009). Berufliches Handeln und Kompetenzen für nachhaltiges Wirtschaften. Mering.

 

zuletzt verändert: 26.07.2017 13:02

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