Hinweise zur Protokollerstellung

Hinweise zur Protokollerstellung: Gilt für die Seminare, in denen für und zu den einzelnen Sitzungen Protokolle angefertigt werden.


(Dieser Text als PDF: hier.)


  • Pro Seminarstunde gibt es ein Protokoll.

  • Ein Protokoll wird von einer, maximal von zwei Personen geschrieben.

  • Jede / jeder schreibt (mindestens) einmal ein Protokoll im Trimester. (Ausnahme: Ein Referat ersetzt ein Protokoll; siehe dazu die »Hinweise für die Durchführung von Referaten«.)

  • Zu Beginn einer Stunde wird das Protokoll der letzten Stunde vorgestellt.



Wozu dient das Protokoll?

Das Protokoll ist keine bloße Stichwortsammlung,* sondern rekapituliert die wichtigsten Aspekte, Themen, Diskussionspunkte, Konzepte etc. der jeweiligen Seminarsitzung. Insofern ist es auch kein schriftliches Abbild der Sitzung, sondern eine Darstellung von Problemen, die als solche auch im Protokoll benannt werden, und zwar auch dann, wenn sie sich erst beim Schreiben des Protokolls ergeben.**

*) Achtung: Protokolle, die lediglich aus einer Auflistung von Stichworten bestehen, gelten nicht als Protokoll; sie müssen korrigiert werden.

**) Dazu die wichtige Nebenbemerkung: Das Protokoll wird nicht während der zu protokollierenden Seminarstunde geschrieben. Die Protokollierenden können sich Notizen machen, aus denen dann später – eher im Sinne eines Gedächtnisprotokolls – die Seminarstunde thematisch rekonstruiert wird.


Zum Beispiel:
Im Seminar wurde über das Buch ›Dialektik der Aufklärung‹ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gesprochen; erörtert wurden die Begriffe: Mythos, Rationalität, Dialektik.

Im Protokoll steht nun NICHT so etwas wie:

=> Buch Dialekt der Aufklärung.
Da geht es um
=> Mythos und seinen Dialekt

etc.

Mithin steht im Protokoll aber bitte auch nicht nur dies:

Im Seminar wurde über das Buch ›Dialektik der Aufklärung‹ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gesprochen; erörtert wurden die Begriffe: Mythos, Rationalität, Dialektik.

Sondern – und es könnte durchaus in einem Protokoll ausgeführt sein, wenn man zum Beispiel das, worüber man schreibt, nicht verstanden hat:

Im Seminar wurde über das Buch ›Dialektik der Aufklärung‹ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gesprochen; wir haben versucht, die Kernthesen des Buches über die Begriffe: Mythos, Rationalität, Dialektik zu fassen. Adorno und Horkheimer gehen davon aus, dass Mythos und Rationalität – obwohl im Gegensatz zueinander stehend – miteinander verkoppelt sind: »Schon der Mythos ist Aufklärung, und: Aufklärung schlägt in Mythologie zurück.« (Adorno, GS Bd. 3, S. 16) Das bezeichnen die Autoren mit dem Begriff Dialektik (und stehen damit in der Tradition der Hegelschen Logik). Ich habe das allerdings nicht verstanden und möchte vorschlagen, dass der Zusammenhang von Mythos, Aufklärung und Rationalität noch einmal erläutert wird. Ebenfalls habe ich Probleme mit dem Begriff »Dialektik«. Im Lexikon wird Dialektik mit dem Dreisatz von These, Antithese und Synthese definiert; das kann ich mit der ›Dialektik der Aufklärung‹ nicht zusammenbringen.

Wenn im Protokoll steht:

Im Seminar wurde über das Buch ›Dialektik der Aufklärung‹ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gesprochen; wir haben versucht, die Kernthesen des Buches über die Begriffe: Mythos, Rationalität, Dialektik zu fassen. Adorno und Horkheimer gehen davon aus, dass Mythos und Rationalität – obwohl im Gegensatz zueinander stehend – miteinander verkoppelt sind: »Schon der Mythos ist Aufklärung, und: Aufklärung schlägt in Mythologie zurück.« (Adorno, GS Bd. 3, S. 16) Das bezeichnen die Autoren mit dem Begriff Dialektik (und stehen damit in der Tradition der Hegelschen Logik).

... und das Protokoll dann vorgelesen / vorgestellt wird und irgendjemand im Seminar denkt »verstehe ich nicht« – bitte melden!


Es geht bei dem Protokoll nicht um Länge, auch nicht um wortwörtliche Wiedergabe des im Seminar Gesagten. Mitunter reicht es, dass man sich im Protokoll auf einen Komplex, einen Gedankengang oder eine Argumentation bezieht.


Formal gilt es für das Protokoll zu beachten:

  • Namen, Buchtitel, Fremdwörter werden grundsätzlich in Hinblick auf ihre Schreibweise geprüft.
  • Bitte unbedingt das Protokoll mit Ihren Namen versehen.
Ferner gehören in den Kopf die Angaben:

Seminar: TITEL, TRIMESTERANGABE
Datum: XX. MONAT XXXX (X. Sitzung)
Protokoll von
VORNAME NACHNAME, MATRIKELNUMMER
VORNAME NACHNAME, MATRIKELNUMMER

Bei mehreren Seiten werden diese paginiert und jeweils mit Namen versehen.

Wenn das Protokoll inhaltlich und formal gut oder wenigstens akzeptabel ist, wird es als PDF allen zur Verfügung gestellt (um sich so den Seminarverlauf noch einmal zu vergegenwärtigen). Wenn nicht, dann nicht.


Zum Schluss noch dies:

a) Das Protokoll entbindet nicht von der Anwesenheitspflicht im Seminar.

b) Obwohl Protokolle geschrieben werden, bleibt es obligatorisch, dass alle Seminarteilnehmenden für sich oder gerne auch in (Klein-) Gruppen
  • die einzelnen Sitzungen nachbereiten,
  • die einzelnen Sitzungen vorbereiten,
  • sich (am besten handschriftlich in einer Kladde oder, noch besser, in einem so genannten Lerntagebuch) Notizen zum Seminar und während des Seminars machen,
  • im Seminar diskutierte Texte lesen,
  • sich eigenständig einen Überblick zum Seminarthema verschaffen und dafür auch
  • Rückfragen stellen und Diskussionen anregen, wenn entweder etwas nicht verstanden wurde, oder konträre Positionen nicht hinreichend einbezogen wurden.


Wichtig:
Langeweile, Desinteresse, die Annahme, dass das Studium oder das Seminar reine Zeitverschwendung seien, zu finden, dass doch eh jeder seine eigene Meinung hat, zu glauben, dass man das auch anders sehen kann, das aber nicht sagen will, etc. sind gerade im Kontext der Erziehungs- und Bildungstheorie gute Anlässe für Disput, Debatte, Forschung, Reflexion – erst recht an der Helmut-Schmidt-Universität.


(Roger Behrens, August 2018)
zuletzt verändert: 09.08.2018 16:27

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