Hinweise für die Durchführung von Referaten

Hier finden Sie einige Hinweise über den formalen und inhaltlichen Aufbau von Referaten.

(Dieser Text als PDF: hier.)

• Entscheiden Sie sich nur dann für ein Referatsthema, wenn Sie ein erkenntnisleitendes Interesse daran haben. Wenn Sie ein Referat / Referatsthema zugewiesen bekommen, ohne dass Sie das Thema auch nur ansatzweise interessiert oder wenn wenn Sie sich, aus welchen Gründen auch immer [aber eben nicht Interesse am Thema] einer Referatsgruppe oder anderen Referierenden anschließen, dann ist Ihr Referatsthema bzw. Ihr Part im Referat darzustellen, warum Sie an dem ursprünglichen Referatsthema kein Interesse haben (und das gilt grundsätzlich:

Wenn Sie zum Beispiel überhaupt keine Ahnung haben, warum Sie in dem Seminar sitzen oder nicht einmal wissen, warum und wozu Sie studieren, dann ist genau das Ihr Referatsthema – egal, was vorher vereinbart wurde oder was im Seminarplan als Thema »dran« ist).

Desinteresse ist nicht durch Langeweile zu kompensieren.

• Referieren Sie nur, was Sie zumindest glauben auch selbst verstanden zu haben – oder machen Sie die Verständnisprobleme zum Gegenstand des Referats. Wenn Ihr Referat auf den Satz hinausläuft: »Das habe ich nicht verstanden«, dann ist es für eine mögliche Seminardiskussion zum nichtverstandenen Thema in jedem Fall fruchtbarer als eine unbeholfene Präsentation von Nicht- oder Halbverstandenem.

Langeweile ist nicht durch Desinteresse zu kompensieren.

• Argumentieren Sie im Referat. Referat bedeutet, dass Sie für ein Argument oder eine These auf bestimmte Theorien oder Sachverhalte referieren, und nicht, dass Sie bloß diese Theorien und Sachverhalte (komprimiert, auf Stichwort- oder vermeintliche Thesenlisten reduziert) wiedergeben.

• Sagen Sie zu Beginn Ihres Referats, worauf Sie am Ende hinauswollen. Sagen Sie, was Ihre These ist. (Und nebenbei: zu einer These gehört meistens ein Problem; sagen Sie also, was das Problem ist, über das Sie sprechen werden).

• Verzichten Sie auf Beamer-Präsentationen, wenn diese nicht mehr sind als quasi Karteikärtchen mit Stichworten (die Sie schlimmstenfalls lediglich vor- bzw. ablesen). Ratsam ist es überdies, sowieso auf Beamer-Präsentationen zu verzichten. Gleichwohl ist es natürlich sinnvoll, den Beamer technisch für die Präsentation solcher Materialien zu nutzen, die allein über die freie Rede nur schwer zugänglich sind: Filmausschnitte, Bilder, (komplexe) Diagramme, Zitate, die sich erst in der gemeinsamen Lektüre erschließen, Textauszüge und dergleichen. (Dennoch – gelegentlich fällt die Technik aus und der Beamer funktioniert nicht: Wenn Sie deswegen Ihr Referat nicht halten können, weil nun Ihre Präsentation nicht läuft, wissen Sie, dass Sie ohnehin kein gutes Referat gehalten hätten.)

• Referate sind Elemente der universitären Studien-Arbeit, nämlich Teil Ihrer Forschung und deshalb selbstverständlich »wissenschaftlich«; d. h. sie sind nicht mit dem zu verwechseln, was Ihnen unter Umständen noch aus Ihrer Schulzeit als »Referat« geläufig ist (insofern gehört es zu einem guten Referat, inhaltlich wie formal zu reflektieren, inwiefern durch die Verfestigung von schulischen Lehr- und Lernformaten im Universitätsstudium Wissenschaft und wissenschaftliche Forschung zunehmend problematisch werden).

• Auch die zum Referat gehörige Diskussion ist wissenschaftlich. Grundsätzlich: eine Diskussion ist keine Umfrage; und diskutieren heißt nicht, dass jede und jeder bloß seine »Meinung« sagt.

• Ein Referat ersetzt ein Protokoll (sofern die Erstellung von Protokollen für das Seminar vereinbart wurde).

• Referate sind für sich keine Prüfungsleistung. Allerdings können Referate genutzt werden, um sich in ein mögliches Hausarbeitsthema einzuarbeiten. Eine aus dem Referat sich ergebene längere Ausarbeitung kann dann durchaus den Status einer Hausarbeit haben.

(Roger Behrens, August 2018)

zuletzt verändert: 06.08.2018 16:49

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