Die Preußischen Reformer - eine kollektive Bildungsgeschichte

Während die politische, soziale und kulturelle Dimension der Preußischen Reformen gut untersucht ist, sind die Protagonisten bislang kaum erforscht worden. Das Projekt widmet sich einer kollektivbiographischen Bildungsgeschichte der preußischen Reformer und fragt nach Gemeinsamkeiten und Differenzen in ihrer Sozialisation und ihren politisch-gesellschaftlichen Zielen.

Das Projekt umfasst das Ensemble der Protagonisten aller Reformen, d. h. die Regierungs- und Verwaltungsreform, die Finanzreform (Steuerverfassung, Steuerreform, Wirtschaftsordnung), die Gesellschaftsreformen (Bauernbefreiung und Gewerbeedikt), die Kommunalreform (Städteordnung), die Militärreform und die Bildungsreform.

Als Reformer werden im Projekt alle diejenigen Personen definiert, die politische und administrative Entscheidungsbefugnisse in ihrem Aufgabenbereich im fraglichen Zeitraum (1806/7-1820) besaßen und diese Entscheidungsbefugnisse für grundlegende Reformen im preußischen Staat nutzten. Eine Gruppe von 72 preußischen Reformern konnte auf diese Weise ermittelt werden.

Um aber die Reformer nicht vorschnell für singulär in ihren Eigenschaften und Denkformen zu halten, wurde eine zweite Gruppe untersucht und an sie dieselben sozialisationshistorischen Fragen gestellt wie an die Reformer. Es handelt sich hier ebenfalls um hohe preußische Verwaltungsbeamte; um königliche Berater, Verwaltungsbeamte und Minister, die aber erkennbar an den preußischen Reformen nicht teilnahmen oder gegen sie opponierten. Diese Gruppe umfasst 37 Personen.

Die Leitfrage des Forschungsvorhabens lautet: Warum entwickelte eine Gruppe von Politikern, leitenden Militärs und hohen Verwaltungsbeamten Konzepte einer fundamentalen Staats- und Gesellschaftsreform und setzte sie um und andere hingegen nicht? Im Forschungsvorhaben wird versucht, dafür bildungshistorische Erklärungen zu finden.

zuletzt verändert: 09.12.2017 13:49

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