Ringvorlesung 2013

Systematisch verharmlost? Rechtsextremismus in Deutschland

Die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) hat in Deutschland breite öffentliche Aufmerksamkeit für die erstarkenden rechtsextremistischen und rechtsterroristischen Tendenzen geweckt. Aber politisch rechts motivierte Straf- und Gewalttaten steigen schon seit Längerem an. Neben dem rechten Alltagsterror, der in Ost und West Ängste der Bevölkerung schürt, suchen Neonazis zunehmend auch Einrichtungen der Kinder- und Jugendbetreuung, Schulen, Nachbarschaftsinitiativen und Sportvereine für ihre Propaganda zu instrumentalisieren. Diese Trends lassen sich nicht allein als Ausdruck allgemeiner gesellschaftlicher Fehlentwicklungen und einer zunehmenden „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ erklären. Politische Unterlassungen und Fehlentscheidungen, tradierte Orientierungsmuster und Routinen in den Sicherheitsbehörden und anderen staatlichen Bürokratien sowie die Diskurse gesellschaftlicher Eliten tragen gerade in ihrem Zusammenwirken zur Normalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Denk- und Handlungsweisen bei.

In sechs Veranstaltungen wurden aktuelle rechtsextremistische Tendenzen in Deutschland beleuchtet. Besondere Schwerpunkte lagen auf der verschleppten Aufklärung der NSU-Morde durch die Sicherheitsbehörden, auf der Verbreitung rechter Orientierungen im akademischen Feld sowie auf Interventionsstrategien. Eine Lesung der Künstlerin Esther Bejarano, die nicht nur als Zeitzeugin des Holocaust, sondern auch für ihr entschiedenes Engagement gegen jede Form von Rassismus und Rechtsextremismus im Kontext der gegenwärtigen Migrationsgesellschaft bekannt ist, schloss die Vortragsreihe ab.

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zuletzt verändert: 02.04.2016 10:56

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