Forschungsschwerpunkte und -projekte

Arbeitsschwerpunkte

Auf dem Gebiet der interkulturellen Bildungsforschung befassen wir uns in theoretischer und empirischer Forschung mit

  • politisch-philosophischen und sozialwissenschaftlichen Debatten, die für Diskurse über Migration und Bildung konstitutiv sind (vor allem über Differenz, Pluralität, Gerechtigkeit, Inklusion, demokratische Partizipation, Integration);
  • der Rolle des Bildungssystems bei der Reproduktion und Bearbeitung sozialer Ungleichheiten, insbesondere mit Bezug auf den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund;
  • Erscheinungsformen und Theorien institutioneller Diskriminierung;
  • biographietheoretischen Zugängen zu Bildungswegen und Zugehörigkeitsverständnissen im migrationsgesellschaftlichen Kontext;
  • Beziehungen von Eltern und Schule in der Migrationsgesellschaft;
  • Konzepten für eine demokratische Bildung in der Migrationsgesellschaft;
  • differenzsensibler und rassismus- bzw. diskriminierungskritischer Qualitätsentwicklung in pädagogischen Organisationen;
  • der Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte im Umgang mit Erfordernissen der Differenz, Diskriminierung und Gerechtigkeit.

In historisch und international vergleichender Forschung beschäftigen wir uns mit

  • den Implikationen und Folgen des international vorherrschenden Paradigmas der Schuleffektivität – bzw. von Konzepten der evidenzbasierten Bildung – für die Schule als öffentlichem Bildungs- und Erziehungsraum, insbesondere für die Umsetzung von Inklusion, sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Partizipation;
  • Neukonfigurationen der Beziehungen von Eltern und Schule in der Spannung von nationalen Entwicklungspfaden und der Inkorporierung international vorherrschender Reformmodelle;
  • der Methodologie zur Erforschung internationaler Bildungsentwicklungen;
  • den Entwicklungen, Spannungen und Perspektiven von Bildung im Nord-Süd-Verhältnis;
  • Konzeptionen des Globalen Lernens.

Die wichtigsten aktuellen Forschungsprojekte

Evaluation der Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer „Qualitätsentwicklung von Schulen in der Einwanderungsgesellschaft: Qualifizierung zur interkulturellen Koordination 2012-2014“

(Mechtild Gomolla, Ellen Kollender, Janina Pohle, Gesa Schütt, Dorothee Schwendowius, Susanne Timm, Elisabeth Weller und Nora Weuster unter Mitarbeit von Vanessa Englert und Diana Lange)

Kurzbeschreibung: Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg bietet in Kooperation mit dem Projekt ‚Beratung, Qualifizierung, Migration‘ im Schuljahr 2012/2013 erstmalig eine einjährige Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer zu interkulturellen Koordinatorinnen und Koordinatoren an. Das Ziel liegt darin, das Personal und die Arbeitsstrukturen und -kulturen in Schulen wirksamer auf die Erfordernisse der zunehmenden Heterogenität auszurichten. ‚Wirksam‘ meint hier die Sicherung eines hohen Leistungsniveaus in den Schulen, die Verwirklichung von Chancengleichheit sowie die Verbesserung der Schulatmosphäre und der Schulzufriedenheit von Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Eltern. Die fortgebildeten Lehrerinnen und Lehrer sollen als ‚Veränderungs-Akteure‘ ihre in der Qualifizierung erworbene interkulturelle Expertise in Schulentwicklungsprozesse an zwanzig Hamburger Schulen einbringen. Dazu lernen sie grundlegende Handlungsfelder interkultureller Schulentwicklung auf der Ebene der Unterrichts-, Organisations- und Personalentwicklung kennen. Sie arbeiten zudem mit dem Anti-Bias-Ansatz, der für Voreingenommenheit und Diskriminierung sensibilisiert.

Die Evaluation soll Antworten auf zwei zentrale Fragenbereiche liefern: Der erste Bereich betrifft die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie das Programm und den Prozess der Qualifizierung. Hier geht es v.a. darum, die Motive und Erwartungen der teilnehmenden Lehrkräfte, sowie ihre Zufriedenheit mit der Fortbildung und die Einschätzung ihres Nutzens für ihre derzeitige Praxis als Lehrkraft wie als interkulturelle Koordinatorin bzw. Koordinator zu erfassen. Der zweite Bereich bezieht die Schule als Ort der Veränderungsprozesse mit ein. Im Vordergrund stehen die Fragen, ob die Ausbildung die Teilnehmenden befähigt, im Rahmen pädagogischer Entwicklungsarbeit Veränderungsprozesse unter den oben genannten Zielsetzungen anzustoßen; welche förderlichen Faktoren die Zielerreichung unterstützen und welche Hindernisse sie blockieren.

Eltern mit Migrationshintergrund im bildungspolitischen Diskurs der Bundesrepublik Deutschland

(Mechtild Gomolla und Ellen Kollender)

Kurzbeschreibung:Im letzten Jahrzehnt gilt intensivere Zusammenarbeit mit Eltern vor allem in Schulen mit hohen Anteilen von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund und/oder aus materiell armen Familien als Schlüssel, um das schulische Lernen zu verbessern und eine sozial gerechtere Bildungspraxis zu fördern. Positiv besetzte Schlagworte wie ‚Partnerschaft‘ und ‚Kooperation‘ stehen genauer betrachtet jedoch für eine Fülle unterschiedlicher Bedeutungen und Strategien. Schulische ‚Elternarbeit‘ kann Zielen der sozialen Gerechtigkeit auch zuwider laufen und Segregation verstärken, wenn sie von paternalistischen Haltungen, sowie defizitorientierten und stereotypen Sichtweisen getragen ist.

In einer Diskursanalyse bildungs- und integrationspolitischer Dokumente von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart wird der Wandel der Bilder ausländischer Eltern bzw. von Eltern ‚mit Migrationshintergrund‘ in Relation zur Schule in der Bundesrepublik Deutschland untersucht. Die Spannungen, Widersprüche und Leerstellen aktueller Beteiligungsstrategien werden nicht nur mit Veränderungen des integrationspolitischen Dispositivs erklärt, sondern auch mit der Etablierung neuer postwohlfahrtsstaatlicher Formen der Bildungsregulierung und damit einhergehender Veränderungen des Öffentlichen im Kontext von Schule in Beziehung gesetzt.

Promotionsprojekte

Eltern mit Migrationsgeschichte, Migrantenorganisationen und Sekundarschulen - Adressierungen und Selbstpositionierungen vor dem Hintergrund institutioneller Rahmenbedingungen im Berliner Schulsystem

(Dipl.-Pol. Ellen Kollender)

Die Behinderung der Vielfalt. Wie Entscheidungsträger_innen im sonderpädagogischen Feststellverfahren den statistisch auffälligen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und sonderpädagogischem Förderbedarf erklären.

(Georg Hollerwöger, MEd/BEd)

Bildungswege und Zugehörigkeitskonstruktionen in der Migrationsgesellschaft. Eine rekonstruktive Analyse autobiographischer Erzählungen von Lehramts- und Pädagogikstudierenden mit Migrationsgeschichte

(Dipl.-Päd. Dorothee Schwendowius)

zuletzt verändert: 08.07.2014 19:08

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