Forschung

Forschungsschwerpunkte

  • Bildung in (spät)modernen Migrationsgesellschaften
  • Rolle des Bildungssystems bei der Reproduktion und Bearbeitung sozialer Ungleichheiten, insbesondere mit Blick auf den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
  • Institutionelle Diskriminierung im schulischen Bereich
  • Beziehungen von Eltern und Schule
  • Differenzsensible und diskriminierungskritische Qualitätsentwicklung in pädagogischen Organisationen
  • Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte im Umgang mit Erfordernissen der Differenz, Diskriminierung und Gerechtigkeit
  • Implikationen und Folgen des international vorherrschenden Paradigmas der Schuleffektivität für die Schule als öffentlichem Bildungs- und Erziehungsraum

Aktuelle und abgeschlossene Forschungsprojekte

Evaluation der Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer „Qualitätsentwicklung von Schulen in der Einwanderungsgesellschaft: Qualifizierung zur interkulturellen Koordination im Schuljahr 2012/2013“

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Eltern mit Migrationshintergrund im bildungspolitischen Diskurs der Bundesrepublik Deutschland

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Schuleffektivität, Pluralität und Gerechtigkeit

Kurzbeschreibung: Ausgehend von den USA und Großbritannien werden seit den 1990er Jahren auch im deutschsprachigen Raum Reformanstrengungen im schulischen Bereich zunehmend auf Konzepte der Schuleffektivität basiert. Diese Literaturstudie untersucht die Rezeption und die Wirkungen des in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in den USA und Großbritannien entstandenen School Effectiveness-/School Improvement-Paradigmas (SE/SI) – bzw. in deren Weiterentwicklung von Konzepten einer ‚evidenzbasierten Bildung‘ – in Deutschland. Ausgangspunkt ist die These, dass unter dem Einfluss von Schuleffektivität – verstanden als wissenschaftliches Paradigma, Politik und Set spezifischer Praktiken – nicht nur die Formen der Bildungsregulierung oder das pädagogische Ethos in Schulen einem tiefgreifenden Wandel unterliegen, sondern auch Fragen der Gleichheit  und Gerechtigkeit auf spezifische Weise neu gerahmt werden. Grob orientiert an diskurs- und dispositivtheoretischen Forschungsperspektiven wird die Untersuchung durch vier Fragenkomplexe strukturiert:

  • In welche institutionelle Traditionen in Bildungssystem und Gesellschaft wird das SE/SI-Paradigma in Deutschland inkorporiert?
  • Wie und mit welchen Folgen für wen, werden Aspekte der Differenz, Pluralität und Gerechtigkeit im Schuleffektivitätsdenken inkorporiert, verzerrt oder ausgeschlossen?
  • Wie werden dabei Aspekte des Politischen und Sozialen als Dimensionen der Schulwirklichkeit neu konfiguriert?
  • Wie wirkt das Paradigma der Schuleffektivität seit Ende des 20. Jahrhunderts auf diese Weise an der Formung einer neuen sozialen Ordnung von Schule und ihrer Klientel mit?

Mit der Dekonstruktion gegenwärtig vorherrschender Modelle der Schuleffektivität und Schulentwicklung ist das Ziel verbunden, den – wie zu zeigen ist – in der langen Geschichte der Schuleffektivitätsbewegung verloren gegangenen sozialen und politischen Kontext schulischer Bildung und die sozialen Beziehungen der Forschungstätigkeit an die Diskussion über die Effekte von Schule zurückzubinden.

Wissenschaftliche Begleitung des Projekts ‚Kinderwelten - vorurteilsbewusste Bildung in Kindertageseinrichtungen. Bundesweites Disseminationsprojekt’

(Projektträger: Institut für den Situationsansatz, FU Berlin; 2004-2010; unter Mitarbeit von Ina Sylvester, Linda Supik und Judith Driever)

Kurzbeschreibung: Das im Rahmen des Berliner Projekts KINDERWELTEN entwickelte Konzept der ‚Vorurteilsbewussten Qualitätsentwicklung’ zeichnet sich dadurch aus, dass eine differenzsensible pädagogische Arbeit mit Kindern und eine gezielte Organisationsentwicklung in Kindertageseinrichtungen, um die Barrieren, welche die gleichberechtigte Teilhabe bestimmter Gruppen versperren, sichtbar zu machen und abzutragen. In einem zwischen 2004 und 2008 durchgeführten bundesweiten Dissemination-Projekts wurde das Ziel verfolgt, den in Berliner Kitas entwickelten Ansatz in Trägern und Kitas in Baden-Württemberg, Niedersachen und Thüringen zu verankern. Ein Hauptanliegen war die Konzeption von Instrumenten zur Qualitätssicherung, welche pädagogische Fachkräfte und Trägereinrichtungen für die Sicherung und Weiterentwicklung Vorurteilsbewusster Bildung nutzen können. Nach dem Ansatz der Fortbildung im Delegiertenprinzip bildeten die Mitarbeiterinnen des Berliner Kinderwelten-Projekts in den genannten Regionen Fachkräfte in Trägerorganisationen und Kitas zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Vorurteilsbewusste Bildung aus, die den Transfer in die Einrichtungen leisten sollten. Die wissenschaftliche Begleitung dieses bundesweiten KINDERWELTEN-Projekt interessierte sich vor allem für den Kompetenzaufbau der Fachkräfte, die pädagogischen Wirkungen und die nachhaltige Verankerung der Vorurteilsbewussten Bildung in den Kitas und Trägerorganisationen, sowie für die Beurteilung der zur Verfügung gestellten Instrumente und des Verhältnisses von Aufwand und Ertrag des Projekts durch die Beteiligten Professionellen. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung wurden zwei Erhebungen durchgeführt. Im Oktober 2005 wurde die Einführung und Implementierung von KINDERWELTEN in den Regionen auf der Basis qualitativer Interviews mit Fachkräften in einer repräsentativen Stichprobe ausgewählter Träger und dazugehöriger Kindertageseinrichtungen untersucht (vgl.Gomolla 2007). Die darauf aufbauende zweite Erhebung fand in der Abschlussphase des Projekts zwischen Januar und Mai 2008 statt und war als quantitative Fragebogenuntersuchung konzipiert (vgl. Gomolla u.a. 2010).

Schulentwicklung in der Einwanderungsgesellschaft

(Dissertationsprojekt; 1998-2002)

Kurzbeschreibung: Um die Bildungserfolge von Kindern mit Migrationshintergrund zu verbessern, reagieren Schulpolitik und Schulen bisher überwiegend mit isolierten Fördermaßnahmen und der Behandlung von ‚Kulturunterschieden’ im Unterricht. Im Kontext der Debatten über die Schulqualität verlagert sich die Aufmerksamkeit jedoch zunehmend auf die Organisationen. Wie können die „normalen“ Strukturen, Programme, Kommunikationsformen, expliziten und impliziten Regeln und Routinen auf den unterschiedlichen Handlungsebenen, die für den Schulerfolg relevant sind, gezielt verändert werden, um das Lernen aller Kinder optimal zu fördern und Ungleichheiten entgegen zu wirken? Diese internationale Vergleichsstudie untersucht Strategien in England, Deutschland und in der Schweiz, die Aspekte der Pluralität und Gleichheit systematisch in breitere Programme zur Entwicklung und Evaluation der Schulen integrieren. In drei Länderstudien wird einerseits eine Bandbreite von Ansätzen zur Schulentwicklung im sprachlich und sozio-kulturell heterogenen Umfeld aufgezeigt. Andererseits werden im Rückgriff auf Erklärungsmodelle zur institutionellen Diskriminierung und zum Handeln in Organisationen die strukturellen Grenzen für die Umsetzung von Gleichheitszielen beleuchtet, die im Reformkonzept der Marktsteuerung angelegt sind. In der detaillierten Kontrastierung der Programme in ihren spezifischen Rahmenbedingungen werden Leitlinien zur Institutionalisierung einer inklusiven Schulpraxis in der Einwanderungsgesellschaft entwickelt.

Wissenschaftliche Begleitung des Projekts der Niedersächsischen Landesregierung 'Region des Lernens - Berufsbildende Schule als Leitstelle eines regionalen Qualifizierungsnetzwerkes (RdL)'

(Wissenschaftliche Mitarbeit von 2002-2003; Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Solzbacher)

Kurzbeschreibung: Das dreijährige Modellprojekt ‚Region des Lernens - Berufsbildende Schule als Leitstelle eines regionalen Qualifizierungsnetzwerkes‘ wurde vom Niedersächsischen Kultusministerium im SVBl. 3/2001 als Förderwettbewerb ausgeschrieben. Nach der Ausschreibung des Förderwettbewerbs sind in den vier niedersächsischen Regierungsbezirken zehn Modellregionen für je ein Qualifizierungsnetzwerk ‚Region des Lernens‘ ausgewählt worden, die im Rahmen des Projekts die Aufgabe hatten, verantwortlich an der Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler mitzuwirken. Durch systematische Evaluation während der Projektdauer sowie die wissenschaftliche Begleitung durch den Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften der Universität Osnabrück und das Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung e.V. in Göttingen wurde der Projektfortschritt dokumentiert und gesichert.

Institutionelle Diskriminierung

(Wissenschaftliche Mitarbeit von 1995-1997; Projektleitung: Prof. Dr. Frank-Olaf Radtke)

Kurzbeschreibung: Erklärung für mangelnden Schulerfolg von Migrantenkindern wird in der öffentlichen Diskussion überwiegend in Defiziten der betroffenen Kinder, ihrer familiären Umwelt und "Kultur" gesucht. Der Ort seiner Herstellung, die Schule, bleibt, zumal in den Problembeschreibungen durch das Schulestablishment, außer Betracht. In der quantitativen und qualitativen Fallstudie eines lokalen Schulsystems wird ein Perspektivenwechsel vollzogen: Aus der Verschränkung von Theorieangeboten zur institutionellen Diskriminierung und zum Handeln in Organisationen wird ein neuer Ansatz zur Erklärung andauernder Ungleichheit und misslingender Integration entwickelt.

zuletzt verändert: 07.04.2014 15:34

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