01/2016

Kampagne gegen sexuelle Gewalt und Rassismus / Veranstaltung „Frauen auf der Flucht“ (UHH)

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln haben 22 Feminist_innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen eine Kampagne gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung gestartet. Auf der Website ausnahmslos.org und unter dem Twitter-Hashtag #ausnahmslos wehren sich die Verfasser_innen gegen populistische Positionen und eine Instrumentalisierung von rechts: „Sexualisierte Gewalt darf nicht nur dann thematisiert werden, wenn die Täter die vermeintlich ,anderen' sind", heißt es. „Der Einsatz gegen sexualisierte Gewalt muss jeden Tag ausnahmslos politische Priorität haben, denn sie ist ein fortwährendes Problem, das uns alle betrifft.“

Die Aktivist_innen warnen davor, „das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt“ zu ‚Islamisieren’ „und damit pauschal einer Religion und ihren – häufig vermeintlichen – Angehörigen“ zuzuschreiben. „Damit werden mindestens 5 Millionen Menschen in Deutschland unter Generalverdacht gestellt.“ „Sexismus und Rassismus sind nicht Probleme ‚der Anderen’“, so die Autor_innen des Aufrufs. „Wir alle sind von struktureller Diskriminierung geprägt und müssen erlernte Vorurteile erst einmal reflektieren, um sie abzulegen.“

Das Aktionsbündnis hat insgesamt 14 Ziele formuliert. Zu den Forderungen zählen unter anderem mehr öffentliche Aufklärungsarbeit, „eine geschlechtersensible Pädagogik“, die auchüber Geschlechterstereotype und die Bedeutung von Sprache“ aufklärt sowie eine Änderung der Gesetzeslage. Denn „[s]exuelle Belästigung ist in Deutschland immer noch keine eigenständige Straftat. Und ob eine Vergewaltigung als strafbar gilt, wird zum Beispiel auch daran festgemacht, ob sich die betroffene Person ausreichend zur Wehr setzte.“

Dass Betroffene sexualisierter Gewalt nicht nur weiße Frauen sind, ist u.a. auch Thema einer Diskussions-Veranstaltung, die unter dem Titel „Frauen auf der Flucht – Leerstellen aktueller Flüchtlingsdiskurse“ am 11. Februar an der Universität Hamburg stattfindet. Neben der Benennung spezifischer Verfolgungs- und Gewalterfahrungen von geflüchteten Frauen, soll auch diskutiert werden, welche Konflikte die momentane Gesetzeslage für asylsuchende Frauen birgt und wie feministischer Support in den Unterkünften vor Ort gestaltet werden kann. Gäste und Diskutant_innen sind: Women in Exile (Initiative von Flüchtlingsfrauen, aktiv in Brandenburg und darüber hinaus) // Prof.in Dr. Sabine Hess (Migrations- und Grenzregimeforschung, Universität Göttingen) // Prof.in Dr. Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Migration und Gender, Universität Gießen) // Prof.in Dr. Lydia Potts (AG Migration - Gender – Politics, Universität Oldenburg). Weitere Informationen zu Veranstaltung gibt es hier.

 

zuletzt verändert: 27.01.2016 15:09

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