10/2015

Rede von Navid Kermani, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, am 18.10.2015

Der deutsch-iranische Autor Navid Kermani hat dieses Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Vor etwa 1000 Gästen hielt er in der Frankfurter Paulskirche eine vielschichtige Rede, in der er über das Verhältnis von muslimischer und christlicher Religion sprach, über die Fluchtbewegungen im Irak und in Syrien sowie über die Rolle der westlichen Staaten bei der Wiederherstellung von freiheitlichen und demokratischen Werten.


Seinen Appell an den Westen, entschlossener zu handeln – auf zivilgesellschaftlichem und diplomatischem Wege – bettete Kermani auf poetische Weise in die Geschichte des vom „Islamischen Staat“ entführten Pater Jacques ein, den er bei einer Recherchereise in Syrien kennengelernt hatte. Die Begegnung mit dem katholischen Geistlichen und dessen Liebe zum Islam bewegten Kermani zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der eigenen Religion.
Der Orientalist bezeichnete es als „größten Fehler…, wenn wir weiterhin nicht oder so wenig gegen den Massenmord vor unserer europäischen Haustür tun“. Auch militärisches Handeln schließt er nicht vollständig als Handlungsoption aus.


Noch mehr aber betonte Kermani, es sei „beglückend“ zu sehen, wie viele Menschen sich in Europa und in Deutschland für die Flüchtlinge einsetzen und dass, anders als nach den Anschlägen vom 11. September 2001, die Menschen „dem Terror unsere Freiheit entgegengehalten haben“. Die Debatte über die Flüchtenden sei dennoch zu unpolitisch, da die Ursachen für Terrorismus und Fluchtbewegungen meist außer Acht lasse.

Die vollständige Rede von Navid Kermani am 18.10.2015 kann auf Youtube angeschaut (https://www.youtube.com/watch?v=5_JAGn74-do) und auf der Seite des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels nachgelesen werden (http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/819312/ ).

zuletzt verändert: 02.12.2015 15:26

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