2/2014

Black History Month

In verschiedenen Ländern wird alljährlich im Februar der „Black History Month“ mit zahlreichen Veranstaltungen zu Schwarzer Kultur und Geschichte begangen. Organisiert von der Initiative Schwarze Menschen gibt es den BHM seit 1990 auch in einigen deutschen Städten, in diesem Jahr in Hamburg, Berlin und Frankfurt. Über ein breites Programm u.a. aus Diskussionsrunden, Lesungen, Workshops, Ausstellungen, Konzerten und Parties soll ein Schwarzes Bewusstsein gefördert werden, Rassismus entgegengetreten bzw. für Rassismus sensibilisiert und allgemein für mehr Sichtbarkeit Schwarzer Themen gesorgt werden.    

Der BHM kann selbst auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken: Seinen Ursprung fand er im Jahre 1926 in den USA, wo der afro-amerikanische Historiker Dr. Carter Woodson die „Negro History Week“ initiierte. Das Ziel Woodsons war es, die Errungenschaften Schwarzer Geschichte und Persönlichkeiten in den Lehrplänen der amerikanischen Schulen zu verankern. Durch das Sichtbarmachen Schwarzer Geschichte, Kämpfe und Kulturen wollte Woodson der schwarzen Bevölkerung, insbesondere den jungen Menschen, ein Wissen zugänglich machen, das ihnen bei der Entwicklung einer selbstbewussten Haltung in einem diskriminierenden und rassistischen Umfeld helfen sollte.

Neben diesem Anspruch Woodsons entwickelte sich der spätere Black History Month zum öffentlichen Sprachrohr der bereits 1916 gegründeten Zeitung „The Journal of Negro History“ (heute: „The Journal of African American History“), an der auch Woodson mitarbeitete. William McCarter, Professor in Illinois, beschreibt in einem Beitrag, wie The Journal of Negro History unter der Führung Woodsons wahre Pionierarbeit leistete: Forschungsbeiträge, die die bis dahin völlig ignorierte, verzerrte und vernachlässigte Geschichte der schwarzen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten analysierten, wurden hier publiziert. Eine breite Öffentlichkeit auch außerhalb des akademischen Kontextes – und somit auch politische Schlagkraft – erreichten sie allerdings erst durch die zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen des Black History Month.      

Seit jeher wurde der BHM aber auch von Kritik begleitet. Zahlreiche Personen schreiben ihm eine Alibifunktion zu – warum sollte Schwarze Geschichte auf einen Monat im Jahr „begrenzt“ sein? Oder, wie es der Schauspieler Morgan Freeman ausdrückte: „I don’t want a Black History Month. Black history is American history.“ Auch Woodson hatte die Hoffnung, dass die „Negro History Week“ eines Tages obsolet werden würde.

Was Carter Woodson bereits vor vielen Jahren in den USA erreichen wollte – das Sichtbarmachen weiterer Geschichtserzählungen jenseits der hegemonialen Diskurse auch in der Schule – könnte man im Jahr 2014 in Hamburg als formal anerkannt beschreiben: So ist etwa die sog. „Interkulturelle Erziehung“ Teil des allgemeinen Erziehungsauftrags von Schule. Als eines von neun Aufgabengebieten, die als Querschnittsthemen in verschiedenen Fächern bearbeitet werden sollen, soll sie u.a. auch im Geschichtsunterricht eine Rolle spielen.  

Im Rahmenplan Geschichte für die gymnasiale Oberstufe in Hamburg heißt es etwa:

 „Als ein auf die Vergegenwärtigung der Vergangenheit bezogenes Denk- und Arbeitsfach vermittelt er [der Geschichtsunterricht, d. Red.] Schülerinnen und Schülern Einsicht in die spezifisch geschichtliche Dimension ihrer Existenz, entwickelt ihr historisches Bewusstsein und trägt damit zur reflektierten Selbstverständigung und Identitätsbildung bei. Dies schließt die Teilhabe am kulturellen Gedächtnis ein. Deren normative Regularien – darunter den Menschenrechten und den Werten einer demokratischen Grundordnung – verpflichtet, stellt der Geschichtsunterricht für die Schülerinnen und Schüler eine wichtige Orientierungshilfe in unserer pluralistischen Gesellschaft dar.“ (S. 10)

Um zu erreichen, dass formale Vorgaben nicht nur auf dem Papier existieren, sondern in konkrete Praxis umgesetzt werden, könnten jene Vorgaben z.B. bedeuten, einen wie von Woodson oder Freeman geforderten Mainstreaming-Ansatz in den Geschichtserzählungen durchzusetzen: das hieße, dass die Einflüsse, Kämpfe und Errungenschaften ganz unterschiedlicher Personen und Communities in Deutschland gleichberechtigt erzählt würden – nicht als Alibifunktion sondern schlicht als realitätsnähere Darstellung von Geschichte.

zuletzt verändert: 18.11.2015 15:27

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