6/2015

Hospitation bei den Vereinten Nationen in New York

Im Mai ist eine unserer studentischen Mitarbeiterinnen bei der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York gewesen. Bereits im letzten Jahr hat sie an einem Model United Nations-Seminar teilgenommen, dieses Mal nutzte sie den Aufenthalt für Feldforschung.

Das Hauptquartier der Vereinten Nationen, das sich im Herzen New Yorks, direkt am Ufer des East River befindet, überraschte mich dieses Jahr gleich auf den ersten Blick positiv. Letztes Frühjahr waren noch große Teile des Außenbereichs von überdimensionalen Bauplanen bedeckt gewesen und der Innenbereich mutete ein wenig provisorisch an. Als ich mich vor einigen Wochen im April für meine Teilnahme an der Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag registrierte, war die Umbauphase längst beendet und das UN-Gebäude glänzte – innen und außen – in all seiner architektonischen Eleganz.

Bereits 2014 habe ich hier an einem Model United Nations-Seminar teilgenommen, einer Kooperation zwischen dem Zentrum für Naturwissenschaften (ZNF) der Universität Hamburg und der TU Darmstadt. Damals haben wir zehn Tage lang die Vorbereitungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag besucht und anschließend eigene Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention simuliert. Dieses Jahr dauerte mein Aufenthalt ganze vier Wochen, von Ende April bis Ende Mai. Hauptsächlich habe ich ihn für journalistische Berichterstattung und Feldforschung im Rahmen meines Politikstudiums genutzt.

Die diesjährige Überprüfungskonferenz zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag findet alle fünf Jahre statt und ist mit 191 Mitgliedstaaten eines der umfassendsten völkerrechtlichen Foren, in denen nationale Delegationen über Fragen der nuklearen Abrüstung, Non-Proliferation und über die zivile Nutzung von Kernenergie verhandeln. Im Idealfall einigen sich die Staaten am Ende auf ein gemeinsames Abschlussdokument, in dem sie weitere Abrüstungsschritte konkretisieren.

Dieses Mal kam kein Konsens zustande, da die Staatengemeinschaft in diesem Bereich momentan intern derart gespalten ist, dass die essentiellen Verhandlungen ins Leere liefen. Insbesondere wird den fünf offiziellen Atomwaffenbesitzern USA, Großbritannien, China, Russland und Frankreich vorgeworfen, dass sie ihre vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllen. In Artikel VI des Atomwaffensperrvertrags ist das Ziel einer endgültigen Vernichtung der nuklearen Arsenale weltweit festgehalten.

Neben denjenigen Staaten, die in Atomwaffen immer noch ein probates Mittel der Abschreckung und eine Garantie ihrer nationalen Sicherheit sehen, formiert sich seit kurzem eine Bewegung von fast 160 Ländern, die den Fokus auf die humanitären Folgen eines intendierten oder nicht-intendierten Atomwaffeneinsatzes lenken wollen.

Diese spannungsreiche Konstellation ist auch das Kernelement des Szenarios, die regelmäßig im MUN-Seminar verhandelt wird. Unterstellt wird eine Situation, in der die arabischen Staaten den Nichtverbreitungsvertrag verlassen wollen, sollten die Schlüsselakteure nicht konkrete Schritte zur Umsetzung ihrer Abrüstungsverpflichtungen unternehmen. Problematisch ist dabei stets – das konnte ich auch bei dem diesjährigen Seminar beobachten, an dem ich nur als Zuschauerin teilgenommen habe – der Einfluss der inoffiziellen Atommächte Israel, Indien und Pakistan auf das Sicherheitsdenken der Vertragsparteien.

Während die Kooperation zwischen dem ZNF und der TU Darmstadt eine spezielle Form der MUN-Seminare mit einem klaren thematischen Schwerpunkt darstellt, gibt es sowohl an der Universität Hamburg als auch an der HSU die Möglichkeit, an den „normalen“ MUNs teilzunehmen. Bei diesen Planspielen geht es weniger um einen thematischen Fokus als vielmehr um die Simulation diplomatischer Verhandlungen unter bestimmten formalen Regeln und in englischer Sprache.  (Julia Berghofer)

zuletzt verändert: 18.11.2015 15:27

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