9/2015

Rassismuskritischer Leitfaden zur Reflexion bestehender und Erstellung neuer Lehr- und Lerninhalte für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit zu Schwarzsein, Afrika und afrikanischer Diaspora

Der afrikanische Kontinent wird in deutschen Schulen immer noch einseitig und rassistisch dargestellt. In Schulbüchern und Lehrmaterialien dominieren Darstellungen, die sich an einer weißen Norm/Normalität orientieren und damit den Prinzipien von Menschenwürde und Gleichheit zuwiderlaufen. Im Rahmen des Projektes IMAFREDU (Image of Africa in Education) hat sich das Autor*innenKollektiv Rassismuskritischer Leitfaden 2013 und 2014 in zwei mehrtägigen Workshops in Hamburg und Berlin mit Rassismus im Klassenraum und Afrika-Darstellungen in Schulbüchern auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist eine umfassende Broschüre, die sich mit den theoretischen Grundlagen rassistischer Diskriminierung im schulischen Raum auseinandersetzt sowie an Beispielen „Fallstricke“ und „Gefahren“ bei der Thematisierung von Afrika, Migration, europäischem Kolonialismus u.a. im Unterricht beleuchtet. Auf dieser Grundlage gibt das Kollektiv kreative Handlungsempfehlungen und eröffnet neue Perspektiven auf die Gestaltung eines inklusiven schulischen Umfeldes.

Der Leitfaden basiert auf einem rassismuskritischen Ansatz, der Rassismus als „Ideologie von Herrschaft und Dominanz“ begreift, „die dazu dient, die ungleiche Verteilung von Macht, Privilegien, Ressourcen und Möglichkeiten der Selbstverwirklichung zu legitimieren und zu stabilisieren“. Im Zentrum der Untersuchung von Schulbüchern und rassistischen Botschaften im Klassenraum steht für die AutorInnen die Problematik, dass Schule immer noch ‚weiß‘ gedacht wird – wodurch die weiße Identität als machtstiftendes Ideal auftritt. SchülerInnen mit afrikanischer Herkunft werden dadurch offensiv oder auch unbewusst mit wiederkehrenden Stereotypen und Vorurteilen konfrontiert, die im schlimmsten Fall zu Traumatisierungen führen und den Grundsätzen der UN-Menschenrechtskonvention widersprechen, die die Würde und Gleichheit aller Menschen festschreibt.

Herausgegeben wurde der Leitfaden im Rahmen des Projektes Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel (LEO) beim Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Mitte von Elina Marmer, die derzeit als Gastwissenschaftlerin unter anderem an der Universität Hamburg tätig ist. VerfasserInnen des Leitfadens verstehen sich als „Autor*innenKollektiv aus Praxis und Forschung“, das sich im Rahmen des Projektes damit befasst hat, die Kritik an den vorhandenen Unterrichtsmaterialien in konstruktive Vorschläge umzuwandeln. Der „Rassismuskritische Leitfaden“ eignet sich daher als kreative Anregung für die Gestaltung des Unterrichts, die Erstellung von Lehrmaterialien und die Produktion von neuen Schulbüchern.

Der Leitfaden kann bestellt werden bei yonas.endrias@ba-mitte.berlin.de und kann kostenlos heruntergeladen werden unter http://elina-marmer.com/wp-content/uploads/2015/03/IMAFREDU-Rassismuskritischer-Leitfaden_Web_barrierefrei-NEU.pdf.

Bundesweite Fortbildungen zum Leitfaden für diverse Zielgruppen können angefragt werden bei Elina Marmer (IMAFREDU Projekt): elinamar@gmx.net.

Elina Marmer hat außerdem kürzlich gemeinsam mit Papa Sow das Buch „Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht“ herausgegeben. Der Sammelband wirft in einem historischen Exkurs die Frage nach kolonialen Afrikabildern auf, wie sie noch heute in unseren Köpfen stecken. Mittels Schulbuchanalysen und Interviews mit betroffenen Jugendlichen und ihren Lehrkräften wird aufgezeigt, wie kolonialer Rassismus heute funktioniert und anschließend Handlungskonzeptionen entworfen.

 Elina Marmer / Papa Sow (Hrsg.):

Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht. Kritische Auseinandersetzung mit »Afrika«-Bildern und Schwarz-Weiß- Konstruktionen in der Schule Ursachen, Auswirkungen und Handlungsansätze für die pädagogische Praxis

2015, 284 Seiten
broschiert, € 34,95
ISBN 978-3-7799-3323-6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zuletzt verändert: 18.11.2015 15:27

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