09/2012

Eltern ziehen Bilanz. Ein Trendbericht zu Schule und Bildungspolitik in Deutschland

Anfang September 2012 sind im WAXMANN-Verlag die Ergebnisse einer zweiten repräsentativen Befragung der Eltern von Schulkindern in Deutschland veröffentlicht worden:

Hrsg.: Dagmar Killus und Klaus-Jürgen Tillmann (in Kooperation mit TNS Emnid): "Eltern ziehen Bilanz. Ein Trendbericht zu Schule und Bildungspolitik in Deutschland. Die 2. JAKO-O Bildungsstudie": Externer Link: Hrsg.: Dagmar Killus und Klaus-Jürgen Tillmann (in Kooperation mit TNS Emnid): "Eltern ziehen Bilanz. Ein Trendbericht zu Schule und Bildungspolitik in Deutschland. Die 2. JAKO-O Bildungsstudie": (http://www.waxmann.com/index.php?id=buecher&no_cache1&L=0&tx_p2waxmann_pi1[buch]=BUC123020&cHash=9af13da308&no_cache=1&sword_list[0]=bildungsstudie)

In einem Kapitel darin werden von Mechtild Gomolla und Carolin Rotter (Kap. 8, S. 113ff.) zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Beurteilung von Schulpolitik und  -praxis zwischen Eltern mit einem türkischen und einem russischen Herkunftshintergrund und ohne einem sogenannten Migrationshintergrund präsentiert und diskutiert.

Die Befragung verdeutlicht einerseits, dass Eltern – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – in ihrer Beurteilung schulpolitischer Ziele und Reformprojekte, ihren Kontakten zur Schule, ihrem Engagement für den Schulerfolg ihrer Kinder und in der Schule als Ganzes sowie ihren Wahrnehmungen und Erwartungen an die Lehrkräfte dicht beieinander liegen. Beispielsweise betonen v.a. Eltern mit einem türkischen und Eltern ohne Migrationshintergrund in gleich hohem Maße Ziele, die für den Schulerfolg unmittelbar relevant sind (z.B. gleiche Bildungschancen oder bessere Förderung lernschwacher Schülerinnen und Schüler). Alle Elterngruppen nutzen vielfältige Möglichkeiten, um mit der Schule Kontakt aufzunehmen und sich zu informieren. Obgleich diese Kontakte alles in allem eher positiv erlebt werden, bringen sie aber auch – unabhängig von der Herkunft – bestimmte Spannungsfelder deutlich zum Ausdruck (z.B. mangelndes Interesse der Lehrkräfte an der Sichtweise der Eltern in Bezug auf ihr Kind). Während die sozialen und fachlichen Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer recht positiv beurteilt wurden, fiel das Urteil über einzelne didaktische Kompetenzen durchweg skeptischer aus. Dabei erhielten speziell jene fachlichen und didaktischen Kompetenzen, die für einen differenzsensiblen, inklusionsorientierten Umgang mit Heterogenität im Unterricht besonders wichtig sind, die niedrigsten Zustimmungswerte.

Die Studie erbrachte jedoch auch einige beachtenswerte Unterschiede zwischen den drei Gruppen von Eltern. Insbesondere Eltern mit einem türkischen Herkunftshintergrund befürworteten die Ganztagsschule am stärksten; nutzten Kontaktmöglichkeiten zu den Lehrkräften und zur Schule in höherem Maße und engagiert sich stärker in Gremien der Elternmitwirkung; schätzten gleichzeitig aber die Bereitschaft der Lehrkräfte zur Zusammenarbeit mit Eltern am niedrigsten ein. In ihrer Gesamteinschätzung, ob die Schule alle Kinder im Grunde gerecht behandele, fällt das Urteil der Eltern mit türkischem Migrationshintergrund deutlich skeptischer aus.

zuletzt verändert: 18.11.2015 15:27

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