360°- Feedback - Leadership Navigator

Coachingangebote haben in den vergangenen Jahren starken Zuspruch aus Organisationen und Unternehmen erfahren. Entsprechend ist in der Praxis eine große Vielfalt von Konzepten und methodischen Ansätzen zu beobachten. Entgegen der regen Diskussion darüber, wie oder wer gecoacht werden soll, wird im europäischen Sprachraum bislang vergleichsweise wenig thematisiert, was gecoacht wird bzw. wie der jeweilige Bedarf der Klienten festgestellt wird. Dies verwundert, wenn man bedenkt, dass jedes Coaching wohl nur so erfolgreich sein kann, wie es gelingt, im Vorfeld die tatsächlich neuralgischen Bedarfsfelder eines Klienten zu erkennen. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass einen Unterschied machen kann, ob man im Zusammenhang mit der Analyse der Stärken und Schwächen eines Klienten allein diesen selbst fragt oder darüber hinaus z. B. auch dessen Vorgesetzte oder Mitarbeiter (zusammenfassend: Scherm & Sarges, 2002). Möchte man den Beratungsbedarf möglichst akkurat identifizieren, so ist eine multiperspektivische Abklärung unerlässlich.

Ein etabliertes Verfahren hierzu ist das sogenannte „360°-Feedback“. Hierbei schätzt der Klient die Ausprägung seiner Kompetenzen z. B. der „Entscheidungsfähigkeit“, des „Konfliktmanagements“ oder der „Lernfähigkeit“ auf einer Antwortskala ein. Das daraus resultierende kompetenzbezogene Selbstbild wird den verschiedenen Fremdbildern gegenüber gestellt, die sich aus den Perspektiven der Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern und ggf. auch Projektpartnern ergeben. Aus dem vorgenommenen Abgleich von Selbst- und Fremdbildern lassen sich die Coachingbedarfe und Entwicklungsfelder diagnostisch fundierter ableiten (Kompetenzrückmeldung). Ferner lassen sich durch Meßwiederholungen nach dem Coaching Entwicklungsfortschritte bestimmen (Lerneffekte).

360

Im Idealfall werden mögliche positive oder auch überkritische eigene Wahrnehmungs- verzerrungen des Klienten durch die anderen Perspektiven aufgefangen – ohne dass diese als „Instanzen der Wahrheit“ fungieren. Psychologisch relevant ist der Umstand, dass ein Klient, der gravierende Differenzen zwischen seinem Selbstbild und den Fremdbildern aufgezeigt bekommt, bestrebt ist diese zu verringern.

zuletzt verändert: 11.05.2016 11:47

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