Aktuelle Projekte

Hegel lesen und Deutschand verstehen

Projektlaufzeit: seit 2016
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr

Im Mittelpunkt steht eine größere Forschungsarbeit über die „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ von G.W.F. Hegel, in der ich zeige, dass in Hegels Staats- und Gesellschaftsmodell freie, nur ihrer Moral folgende Individuen keine oder nur eine negative Rolle spielen. Freiheitlich und modern sind für Hegel Staat und Gesellschaft, die die vielen (zumeist traditionsbedingten) Gliederungen und Gemeinschaften umfassen, in denen die Bürger konstruktiv sozialisiert werden, einerseits ihren Interessen (an Liebe, Reichtum, Seelenfrieden, Einfluss und Reputation) nachzugehen, andererseits aber auch die damit verbundenen Pflichten zu erfüllen. Hegel entwickelt damit ein Sozialmodell, welches sich zwar stark von der angelsächsischen Tradition und von der französischen Aufklärung unterscheidet, aber für mitteleuropäische Länder, allen voran für Deutschland und auch für Österreich in Teilbereichen prägend wurde. Ich analysiere diesbezüglich die Bedeutung des konservativen Familienmodells, des sozioökonomischen Korporatismus und des (protestantischen) Gemeindeverständnisses als Aspekte des deutschen Wegs in die moderne Gesellschaft.

Diese Forschungsarbeit erscheint zum Ende des Jahres:

CHRISTIANE BENDER (2016): Hegels Beitrag zum Verständnis von Familie, Gesellschaft und Staat im Deutschland der Gegenwart. In: Spieker, Michael (Hrsg.): Hegels Begriff der Sittlichkeit in der Rechtsphilosophie, Tutzing 2016.

 


Via Los in den Bundestag!

Projektlaufzeit: seit 2014
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr / Prof. Dr. Hans Graßl, Universität Siegen

Aristoteles charakterisiert das Losen als die genuin demokratische Weise der Auslese von politischem Personal: "So gilt es, wie ich sage, für demokratisch, dass die Besetzung der Ämter durch das Los geschieht, und für oligarchisch, dass sie durch Wahl erfolgt, und wieder demokratisch, dass für den Eintritt in die Ämter kein Zensus, und für oligarchisch, dass ein Zensus erfordert wird." In jüngster Zeit haben der Historiker Bernard Manin und der Politikwissenschaftler Hubertus Buchstein an die lange und fruchtbare Tradition der Auslese des politischen Personals durch Losen von der Antike über die republikanischen Stadtstaaten bis hin zu den Schweizer Landsgemeinden erinnert. In modernen Demokratien ist das Losverfahren jedoch fast vergessen. Als einer der Protagonisten des Losens, auch unter heutigen Bedingungen, kritisiert der Publizist Florian Felix Weyh, "dass die über Parteien selektierten Abgeordneten keinen soziologischen Querschnitt der Gesellschaft bilden". Er führt ins Feld, nur das Losverfahren garantiere uneingeschränkt die Norm der Gleichheit aller Teilnehmer. Alle Bürger, ob arm oder reich, weiblich oder männlich, jung oder alt, gesund oder krank, Unternehmer, Beamter oder Arbeiter hätten in der Demokratie die gleiche Chance, durch das Los gezogen zu werden. Kein Teilnehmer könne über eigenes ökonomisches, soziales oder kulturelles Kapital seine Chancen erhöhen, sich Vorteile gegenüber anderen verschaffen und den Ausgang der Lotterie beeinflussen.

Inwiefern kann das Losverfahren in Deutschland beitragen, die Repräsentationslücke zu schließen? 

Veröffentlichungen:

Erwähnungen:


Rechtsterrorismus in Deutschland

Projektlaufzeit: seit 2015
Projektdurchführung: Jan Witte M. A., Helmut-Schmidt-Universität

Exposé zum Projekt


Diskontinuierliche Erwerbsbiographien von Musikerinnen und Musikern - Zwischen Prekarität und Selbstverwirklichung.

Projektlaufzeit: seit Dezember 2014 (Pre-Study)
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr

Projektdurchführung: Jan C. Bätz M. A.

Dem Projekt liegt die folgende These zu Grunde:

Die „digitale Revolution“ (Bender 2014) hat die Musikbranche, wie keinen anderen gesellschaftlichen Bereich, vollständig neuen Produktions- und Reproduktionsbedingungen unterworfen. Damit unterliegen die Karriereverläufe von Musikern und Musikerinnen einem eminenten Wandel. Zwar vereinfacht Digitalisierung den Zugang zu Öffentlichkeit und Märkten für Musikschaffende, aber die Etablierung von Karrieren im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums ist aufgrund der gewaltigen Steigerung des Angebots bei gleichzeitiger Tradierung bereits bestehender Machtstrukturen erschwert. Es bieten sich vielfältige neue Chancen, aber auch große Risiken für die Künstler und Künstlerinnen, von ihrer Kunst den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Musiker und Musikerinnen zu Beginn ihrer Karriere (Bender 1992) unter dem Druck stehen, sich zu ArbeitskraftunternehmerInnen ihrer eigenen Kreativität zu entwickeln.

Unser Ziel ist es, diese Forschungshypothese für unterschiedliche Gruppen von Musikern und Musikerinnen zu überprüfen und dabei idealtypische Karrieremuster herauszuarbeiten.


Frauen treten vor!

Projektlaufzeit: seit Januar 2014
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr

Die Überwindung der Geschlechterdifferenz hin zu einer gleichberechtigten Zusammenarbeit von Soldatinnen und Soldaten ist ein wesentlicher Aspekt der Entwicklung einer modernen Organisationskultur in der Bundeswehr. Dieser Prozess wird von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Hierzu gehören der demografische Wandel, die zunehmende Partizipation von Frauen in Bildung und Ausbildung, am Arbeitsmarkt und in der Politik. Daraus ergeben sich für die Personalentwicklung in der Bundeswehr vorrangig zwei wichtige Aufgaben, das Arbeitsvermögen von Frauen optimal zu nutzen und zugleich bestmögliche Bedingungen für die Soldatinnen und Soldaten zu schaffen, um den Dienst in der Armee mit Partnerschaft und Familie zu vereinbaren.

Erste Ergebnisse des Projekts werden in einer Ausstellung vom 21.06.2014 bis zum 15.08.2014 an der HSU dargestellt. Am 21.06. um 13:30 Uhr findet im Rahmen des Tags der offenen Tür an der HSU eine Podiumsdiskussion zum Thema Frauen und Führung in der Bundeswehr statt. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Studenten durchgeführt.

Themen der Ausstellung

Unser Verteidigungsminister ist eine Frau!
Lt Max Breyer, LtzS Christoph Herman Giegerich, Lt John Kaufer

Kameradschaft heisst unser Ethos!
Lt Simon Goebelsmann, Lt Kai Stefan Skwara

Wir brechen Geschlechterrollen auf!
LtzS Fabian Dilly, Lt Hendrik Dürr, Lt Christian Knorn

Partnerschaft und Sexualität in der Bundeswehr!
Lt Julia Döhler, Lt Falk Köhler, Lt Manuel Krappitz

Familienfreundlichkeit macht die Bundeswehr stark!
Lt Christopher Klein

Für Deutschland einsetzen!
Lt Jonny Odereder, Lt Johannes Schnier

Woche der Frau an der Führungsakademie der Bundeswehr
Interview zur Ausstellung an der Führungsakademie der Bundeswehr


Der Angriff der neuen Medien auf die personenbezogenen Dienstleistungen

Projektlaufzeit: seit Januar 2014
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr

In dem Projekt beschäftige ich mich mit der Bedeutung der neuen Medien für den gesellschaftlichen Wandel. Dabei nehme ich vor allem einen hochsensiblen sozialen Kernbereich in den Blick, der m. E. durch den Einsatz neuer Medien unter starken Veränderungsdruck gerät, an dessen Existenz und Qualität aber die Bürger und Bürgerinnen ein außerordentlich großes Interesse haben: die personenbezogenen Dienstleistungen. (Mit personenbezogenen Dienstleistungen sind vielfältige berufliche Tätigkeiten gemeint, die aus besonderen zwischenmenschlichen Interaktionen bestehen wie beispielsweise Therapieren im Verhältnis von Arzt zu Patient, Unterrichten im Verhältnis von Lehrer zu Schüler, Lehren im Verhältnis von Dozent zu Student, Unterstützen im Verhältnis von Sozialarbeiter zu Klient, Pflegen im Verhältnis von Pfleger zu Senior, Beraten im Verhältnis von Bankberater zu Anleger, Frisieren im Verhältnis von Friseur zu Kunde, Führen im Verhältnis von Reiseleiter zu Tourist, Servieren im Verhältnis von Kellner zu Gast, Verkaufen im Verhältnis von Verkäufer zu Kunde, Beobachten im Verhältnis von Geheimagent zu „Feind“ etc.).

Die Debatte über die personenbezogenen Dienstleistungen aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat einige optimistische (u. a. von Jean Fourastié) und pessimistische Argumente (interessant vor allem die Sozioökonomen Jonanthan Gershuny und William J. Beaumol) hervorgebracht, die aus heutiger Sicht besonders aktuell sind und von mir neu gedeutet werden, um meine zentralen Fragen zu beantworten: Werden die neuen Medien zur Substituierung und tendenziellen Abschaffung der personenbezogenen Dienstleistungen und des damit befassten Personals führen? Wird sich darüber die Institutionenwelt, die uns vertraut ist, radikal verändern?

In die Beantwortung dieser Frage beziehe ich empirisches Material ein, bringe Beispiele, die die Probleme der öffentlichen Institutionen des Bildungs- und Sozialstaats, aber auch der Unternehmen im Umgang mit den Herausforderungen der neuen Medien verdeutlichen. Außerdem weise ich auf unterschiedliche Kulturen der beschleunigten bzw. der gebremsten Implementation der neuen Medien innerhalb der Arbeits- und Lebenswelten in den USA und in Deutschland hin.


Die ideologischen Wurzeln der "Wissensgesellschaft. Historische und semantische Analysen"

Projektlaufzeit: 2012-2014
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr

1973 erschien Daniel Bells "The Coming Up of Post-industrial Society". Das Buch machte den Begriff der Wissensgesellschaft in den USA und in Deutschland populär. Gedacht war es als Konzept, das nach Antikommunismus und der These vom Ende der Ideologien zur kulturellen und technisch-technologischen Vormachtstellung der westlichen Welt beitragen sollte.

Veröffentlichungen:


"Money, money makes the world go round." Gibt es Alternativen?

Projektlaufzeit: Januar 2013 bis Oktober 2013
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr
Mitarbeit: Jan Witte M.A.

Forschungsthemen: Soziale Marktwirtschaft, Sozialismus, Staatskapitalismus, Sozialstaat, Genossenschaften, islamische Wirtschaft, Postwachstumsökonomie, Shared Economy, Tauschringe, Regionalgeld, Mikrokredite, Transferunion Europa

Das Projekt wird zusammen mit Studierenden der HSU durchgeführt.

Leitfragen:
1. Skizzieren Sie das Grundkonzept des jeweiligen Systems
2. Bewerten Sie die Konsequenzen für die Lebensverhältnisse der Menschen
3. Welche Rolle spielen kapital- und geldgesteuerte Prozesse?
4. Worin bestehen Kommodifizierungs- und Dekommodifizierungseffekte?
5. Wie viel Autarkie und Freiheit erreichen die Menschen? Für welche Schichten, Gruppen, Individuen?
6. Eigene Bewertung des Konzepts

Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist geplant.


Demokratie und Eliten auf dem Prüfstand


Projektlaufzeit: seit Juli 2011

Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender, Helmut Schmidt-Universität der Bundeswehr

Veröffentlichungen:

  • CHRISTIANE BENDER / HANS GRAßL (2014):
    Wählen, Kooptieren, Losen in der repräsentativen Demokratie. Ein Vorschlag
  • CHRISTIANE BENDER  (2012):
    Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag?Jean-Jacques Rousseau zum 300. Geburtstag.
  • CHRISTIANE BENDER UND ELMAR WIESENDAHL (2012):
    Demokratie auf dem Prüfstand.
    Interview, in: Magazin, Bundeszentrale für politische Bildung, 2012, S. 30-31.
  • CHRISTIANE BENDER UND ELMAR WIESENDAHL (2012):
    Ist Demokratie möglich?
    Interview, in: P.T. Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft, 8. J.G., Ausgabe 1, 2012, S. 14f.
  • CHRISTIANE BENDER (2011):
    Das eherne Gesetz der Oligarchie. Robert Michels und die Soziologie des Parteiwesens
    Deutschlandfunk "Essay und Diskurs", gesendet am 3.10.2011, www.dradio.de 
  • CHRISTIANE BENDER UND ELMAR WIESENDAHL (2011):
    Ist Demokratie möglich?
    Interview, in: pt-magazin, online, 17.11.2011.
  • CHRISTIANE BENDER UND ELMAR WIESENDAHL (2011):
    Hundert Jahre ehernes Gesetz der Oligarchie von Robert Michels - Ist Demokratie möglich?
    In: Das Parlament, Beilage: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 44-45, S. 19-24.

DEUTSCHLAND VERSTEHEN. Zur Soziologie von Institutionen, Interessen und Ideen

Projektdauer: seit Oktober 2010
Projektleitung: Christiane Bender

Im Zuge von Globalisierung und Europäisierung werden zunehmend nationalstaatliche Zuständigkeiten auf transnationale und internationale Institutionen verlagert. In diesem Prozess geraten Entwicklungspfade unter Druck, die die Geschichte der Länder ausmachen. Dennoch werden auf lange Sicht historisch begründete Ordnungsvorstellungen wirksam bleiben, die sich im Laufe der Zeit in der gesellschaftlichen Wirklichkeit manifestiert haben und die den Ländern ihr eigenes Gepräge verleihen. Was für zwischenmenschliche Beziehungen gilt, trifft auch für die Verhältnisse zwischen Staaten zu: Nur wer sich selbst versteht, ist zur Partnerschaft in der Lage.

Nach allzu langer Phase selbstgenügsamer Glasperlenspiele zeichnet sich in der europäischen Soziologie eine Wende ab und die Soziologie hat die Chance, sich wieder gesellschaftlichen Problemen zuzuwenden. Die jüngsten Debatten über die Unterschiede zwischen angelsächsischem und rheinischem Kapitalismus (Michel Albert) beleuchten unterschiedliche Produktions- und Wohlfahrtsregime. Meine Untersuchung setzt hier an. Deutschland hat über fünf politische Systeme (Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik und wiedervereinigtes Deutschland) hinweg ein Strukturmuster der Arbeitsteilung zwischen Staat und Markt, aber auch zwischen privaten Haushalten und Non-Profit-Bereichen herausgebildet und beibehalten (Werner Abelshauser). Ausdruck hierfür sind u.a.die Vielfalt einer gemischten Ökonomie, die Dominanz der Industriekultur, das konservativ-korporatistische Wohlfahrtsregime (Gøsta Esping-Andersen), das Vereinbarkeitsmodell der Versorgerehe (Birgit Pfau-Effinger), die bedeutende Stellung der Wohlfahrtsverbände und das ständisch geprägte Bildungssystem (Hans Graßl).

Es geht um die Gewinnung eines tieferen und neuen Verständnis des Gesellschaftsmodells in Deutschland und um dessen Zukunftsfähigkeit im Zuge der Europäisierung.

zuletzt verändert: 18.05.2017 13:36

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